Informationen über plastische Chirurgie nach Brustkrebs

Ratgeber Brustrekonstruktion

Informationen über plastische Chirurgie nach Brustkrebs
 
 
Brustrekonstruktion

Genetisch bedingter Brustkrebs + prophylaktische Mastektomie

Fragen an Dr. med. Sabine Schmatloch

• Was genau ist eine Mastektomie?

Unter einer Mastektomie versteht man die Entfernung des Brustdrüsengewebes. Es gibt verschiedene Formen. Die modifizierte radikale Mastektomie beinhaltet die Entfernung der Brustdrüse, der darüber liegenden Haut mit Brustwarze (und eigentlich auch der axillären Lymphknoten). Modifiziert wird diese Methode – im Unterschied zur radikalen Mastektomie – genannt, welche die Entfernung des Brustmuskels mit umfasst; diese OP-Form kommt heute nicht mehr zur Anwendung.

Unter einer einfachen Mastektomie versteht man die Entfernung des Brustdrüsengewebes mit Haut und Brustwarze. Diese ersten beiden beschriebenen Methoden kommen in der Regel nur zur Therapie von Brustkrebs und dessen Vorstufen zur Anwendung.

Bei der skin sparing mastectomy (hautsparenden Mastektomie) bleibt ein größerer Teil des Hautmantels erhalten, die Brustwarze wird entfernt. Bei der nipple sparing mastectomy (Brustwarzen erhaltende Mastektomie) wird auch die Brustwarze erhalten.

Diese letzten beiden Methoden werden auch subkutane Mastektomie mit/ohne Mamillenerhalt genannt. Sie werden als prophylaktische (vorbeugende) oder therapeutische Maßnahme angewandt

• Bei welcher Indikation sollte eine prophylaktische Mastektomie durchgeführt werden?

Ein bestimmter Anteil der Brustkrebserkrankungen ist genetisch bedingt. Es besteht die Möglichkeit einer Gentestung, bei der festgestellt werden kann, ob eine betroffene Frau eines der veränderten Risiko-Gene in sich trägt. In diesem Fall besteht die Möglichkeit einer intensivierten Vorsorge nach einem bestimmten Programm oder einer prophylaktischen Operation.

Zur Beratung und Gentestung sollten sich die betroffenen Frauen (und auch Männer, 1% der Brustkrebserkrankungen betrifft auch sie) in einem der 15 spezialisierten Zentren für Familiären Brust- und Eierstockkrebs vorstellen.

Eine prophylaktische Operation an der Brust (und auch den Eierstöcken ) sollte nicht ohne eine genetische Beratung in einem dieser Zentren und einem positiven Gennachweis durchgeführt werden!

• Welche Arten (und Möglichkeiten) der prophylaktischen Mastektomie gibt es?

Im Prinzip stehen außer der radikal modifizierten Mastektomie, die als onkologische Operation (Onkologie = Krebsheilkunde) die Entfernung der axillären Lymphknoten mitbeinhaltet, alle Methoden zur Verfügung.

Hier geht es individuell nach Wunsch der Patientin. Die Brust kann komplett entfernt werden ohne Rekonstruktion (einfache Mastektomie ). Der Großteil der Frauen wünscht in dieser Situation allerdings die simultane Rekonstruktion (zeitgleiche Brustwiederherstellung) der Brust. Es wird die subkutane Mastektomie mit oder ohne Erhaltung der Brustwarze gewählt und eine für die betroffene passende und zufriedenstellende Rekonstruktionsform.

• Welche Vorgehensweise empfehlen Sie bei dem Verdacht auf eine genetische bedingte Veranlagung?

Frauen, in deren Familie mehrere Erkrankungen der Brust oder Eierstockkrebs vorkommen, sollten zunächst mit Ihrem betreuenden Frauenarzt abwägen, ob eine genetische Beratung in einem der 15 spezialisierten Zenten in Frage kommt.

Unter http://www.brca-netzwerk.de/ können sich Interessierte auch online informieren. Hier stehen zum Beispiel Checklisten zur Verfügung, um herauszufinden, ob es sich tatsächlich um eine genetische Belastung handelt. Wenn ja, dann sollte die weitere Beratung und ein Gentest in einem der Zentren stattfinden (http://www.brca-netzwerk.de/interaktive-karte.html). Diese Vorgehensweise setzt allerdings voraus, dass die betroffene Person über ihr Risiko Bescheid wissen möchte und auch bereit ist, eine eventuelle Konsequenz daraus zu ziehen.

Brustkrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen und trifft mit 72.000 Neuerkrankungen im Jahr in Deutschland auch viele Frauen ohne familiäre Vorbelastung.

• Welche Möglichkeiten des Wiederaufbaus der Brust nach einer Mastektomie gibt es?

Prinzipiell kann die Rekonstruktion der Brust durch Eigen- oder Fremdgewebe erfolgen.

Bei einer Eigengeweberekonstruktion werden Gewebelappen aus Haut-, Muskel- und Fettgewebe von Bauch, Po oder Oberschenkel der Patientin entnommen und dann für die Rekonstruktion verwendet. Der operative Aufwand ist hier relativ hoch, da an mehreren Stellen am Körper operiert wird. Im Ergebnis können sehr schöne und stabile Langzeitergebnisse erzielt werden, da das eigene Gewebe sozusagen mitwächst.

Eine weitere Möglichkeit bietet die Wiederherstellung der Brust durch eine Implantat-Rekonstruktion. Hier wird das fehlende Brustdrüsengewebe durch ein Silikon-Implantat unter der Haut ersetzt. Besonders nachhaltige Ergebnisse erzielen wir seit vielen Jahren durch die Kombination von in Deutschland hergestellten Silikonimplantaten und einer Art Gewebegerüst, das aus natürlichem Material gewonnen wird. Durch den Einsatz von modernen, hochwertigen anatomisch geformten Silikon-Implantaten – zum Beispiel aus Deutschland – können heute sehr natürliche und planbare Ergebnisse erzielt werden.

• Welche Vorteile bietet die Rekonstruktion der Brust mit hochwertigen Implantaten?

Bei der Implantat-Rekonstruktion ist die Operationszeit meist kürzer als bei der Rekonstruktion mit Eigengewebe. Die Operation selbst erfolgt nur an der Brust und es entstehen keine weiteren Narben an anderen Körperstellen. Die Qualität der verwendeten Implantate spielt eine entscheidende Rolle für ein langfristig gutes und sicheres Ergebnis. Ziel ist es, das natürliche Körpergefühl zu erhalten und mögliche Komplikationen, wie z.B. die Serombildung oder das Entstehen einer Kapselfibrose zu vermeiden. Aus diesem Grund verwenden wir im Brustzentrum in Kassel ausschließlich Silikon-Implantate die in Deutschland hergestellt werden und den höchsten Sicherheitsstandards entsprechen.

 

Dr. med. Sabine Schmatloch

Fachärztin für Frauenheilkunde/Geburtshilfe und seit 2002 auf die Behandlung von Brustkrebs spezialisiert. Sie ist im Elisabeth-Krankenhaus in Kassel als Oberärztin tätig. Das Brustzentrum ist mit über 500 primären Mammakarzinomen und einem hohen Anteil an rekonstruktiven Brust-OPs im Jahr eines der größten in Deutschland und arbeitet mit dem Zentrum für hereditären Brust- und Eierstockkrebs der Universitätsfrauenklinik in Köln zusammen. http://www.elisabethkrankenhaus-kassel.de/?id=30

 

 

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Für eine Brustrekonstruktion stehen verschiedene Implantate zur Verfügung. In der Regel bestehen diese aus einer Silikonhülle, deren Form und Oberfläche unterschiedlich sein können. Für die Füllung wird meist Silikongel oder, wenn auch nur noch selten, Kochsalzlösung verwendet.

Wie ein Körper auf ein Implantat reagiert, lässt sich nicht vorhersagen. In manchen Fällen kann als Nebenwirkung einer Brustrekonstruktion eine sog. Kapselfibrose auftreten. Das geschieht, weil der Organismus um jeden Fremdkörper, den er nicht abbauen kann, eine Bindegewebskapsel bildet. Zieht sich diese Kapsel mit der Zeit zusammen, verhärtet das Gewebe, und das Implantat kann sich verformen. Eine Möglichkeit, eine Kapselfibrose zu vermeiden, ist, die Hülle der Implantate mit einer speziellen Oberflächenstruktur zu versehen.

Noch besteht die Therapie von Brustkrebs in erster Linie aus einer Operation. In den letzten Jahren ist es aber Ziel der Operation geworden, die Brust weitgehend zu erhalten. Doch nicht immer ist dies möglich, sodass in einigen Fällen die gesamte Brust entfernt werden muss. Für eine Brustrekonstruktion (Wiederaufbau der Brust) stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, die Sie auf diesen Seiten in Umrissen erläutert finden.

Unser äußeres Erscheinungsbild kann Einfluss auf unsere Psyche und unser Lebensgefühl haben. So möchten viele von Brustkrebs betroffene Frauen sofort oder zu einem späteren Zeitpunkt eine Brustrekonstruktion vornehmen lassen. Das Thema Brustaufbau sollte deshalb von vornherein Teil der Therapie sein. Für die Wiederherstellung der Brust stehen mehrere Methoden zur Verfügung, deren Vor- und Nachteile nach der jeweiligen Ausgangslage der Betroffenen bewertet werden sollten.

Methoden Brustrekonstruktion

Bei einer Brustrekonstruktion wird unterschieden zwischen einem Aufbau mittels körpereigenem Gewebe (Eigengewebskonstruktion) und einem mittels Fremdmaterialien (Prothesenrekonstruktion), des Weiteren zwischen einer Primär- und einer Sekundärrekonstruktion.

Wird eine Brustrekonstruktion direkt im Anschluss an die Tumorentfernung durchgeführt, so spricht man von einer Primärrekonstruktion. Bei einer Sekundärrekonstruktion findet der Brustaufbau zu einem späteren Zeitpunkt statt.

Bei einer Brustrekonstruktion mit Eigengewebe wird Gewebe aus Unterbauch, Rücken, Gesäß oder Oberschenkelinnenseiten in die Brustregion verpflanzt. Soll ein Implantat eingesetzt werden, wird vorab oft ein sog. Expander eingelegt, der die Haut dehnt und Raum für das Implantat schafft. Ist genügend Gewebe aufgebaut, kann das gewünschte Implantat eingelegt werden.