Informationen über plastische Chirurgie nach Brustkrebs

Ratgeber Brustrekonstruktion

Informationen über plastische Chirurgie nach Brustkrebs
 
 
Brustrekonstruktion

Fragen an Dr. Wolfrum – MammaMia 1-2015              

 

Bei rund 20 % der von Brustkrebs betroffenen Frauen kann nicht brusterhaltend operiert werden und eine Brust muss entfernt werden. Auch Frauen mit genetisch bedingtem Brustkrebs, die sich für die prophylaktische Entfernung (Mastektomie) der Brüste entschieden haben, stehen vor dem Eingriff vor der Frage: Was nun?

Der Brustwiederaufbau mit Silikonimplantaten ist eine unter mehreren Möglichkeiten – in den meisten Fällen kann die Rekonstruktion dazu beitragen, dass sich die Frauen im Anschluss an die OP wieder „vollwertig“ fühlen.

 

1. Welche Rekonstruktionsmethoden sind heute möglich?

Zum einen gibt es die Rekonstruktion mit einem Silikonimplantat bei hautsparendem Vorgehen nach einer Krebserkrankung oder im Rahmen einer prophylaktischen Mastektomie im Falle einer erblich bedingten Brustkrebsbelastung. Darüber hinaus kommt eine Behandlung mit einem Expander zum Einsatz, bei der das Gewebe zunächst gedehnt wird, damit später ein Implantat eingesetzt werden kann.

Auch eine Kombination aus Implantat und eigenem Gewebe vom Rücken (Latissimus-Muskel) ist möglich. Dieses Verfahren wird angewandt, wenn im Rahmen der Brustkrebsoperation viel Gewebe entfernt werden musste.

Dann gibt es die Möglichkeit, die Brust ausschließlich mit Eigengewebe zu rekonstruieren. Dazu wird Gewebe an anderer Stelle des Körpers (Unterbauch, Oberschenkelinnenseite oder Gesäß) entnommen, welches zur Brustwiederherstellung verwendet wird. Dazu werden die Blutgefäße des entnommenen Gewebes mit Hilfe eines Mikroskopes an Gefäße der Brustwand angeschlossen. Diese Eingriffe sind etwas aufwendiger und werden an spezialisierten Zentren durchgeführt.

Darüber hinaus kann die Brust mittels Lipofilling rekonstruiert werden. Dazu wird an verschiedenen Körperstellen Fett abgesaugt, intraoperativ steril aufbereitet und zur Wiederherstellung der Brust oder zur Korrektur verwendet.

 

2. Wo liegen die jeweiligen Vor- bzw. Nachteile?

Die Vorteile einer Eigengewebsrekonstruktion liegen zum Einen in dem natürlichen, der Brust ähnlichen Verhalten, was die Weichheit des Gewebes betrifft. Zum Anderen hat ein so erreichtes Rekonstruktionsergebnis dauerhaft Bestand. Nachteile liegen in der Ausdehnung des Eingriffs auf eine andere Körperregion, wo es zu einer zusätzlichen Narbenbildung kommt, sowie möglichen Komplikationen wie Durchblutungsstörungen des transplantierten Gewebes.

Die Vorteile des Wiederaufbaus mit einem Implantat liegen in der Tatsache, dass sich die Operation auf die Brust beschränkt. Nicht selten kann zudem eine notwendige Operation dazu genutzt werden, eine bestehende Brustform zu verbessern. Damit kann man Patientinnen, die durch eine Krebserkrankung stark belastet sind, mit der Rekonstruktion eine positive Veränderung ermöglichen. Auch bei beidseitiger Rekonstruktion können sehr schöne und symmetrische Ergebnisse erzielt werden.

Wenn sich Frauen im jüngeren Alter für den Aufbau mit Implantaten entscheiden, sollten sie sich jedoch bewusst sein, dass es eine rechte hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass im Verlaufe ihres Lebens eine weitere Operation notwendig wird. Die körperlichen Voraussetzungen können sich ändern oder es entsteht eine sogenannte Kapselfibrose. Dass sich eine zarte Kapsel um das Implantat bildet ist völlig normal, da das Implantat als Fremdkörper erkannt und „umhüllt“ wird. Die Kapsel kann sich jedoch in den Jahren nach der OP verstärken und es kommt möglicherweise zu Formveränderungen oder Beschwerden.

Beim Lipofilling werden in der Regel mehrere Sitzungen benötigt, da immer nur eine begrenzte Menge Fett während eines Eingriffs transplantiert wird, damit dieses ohne Komplikationen einheilen kann. Darüber hinaus ist dieser Eingriff nur bei bestimmten körperlichen Voraussetzungen möglich.

 

3. Worauf kommt es aus Ihrer Sicht beim Brustwiederaufbau mit Silikonimplantaten an?

Ganz entscheidend ist die Auswahl eines qualitativ hochwertigen und individuell passenden Implantats; eine breite Auswahl bietet zum Beispiel ein Hersteller aus Deutschland. Die Wahl hängt stark von den körperlichen Voraussetzungen, aber auch von den persönlichen Wünschen der Patientinnen ab.

 

4. Gibt es Unterschiede in der Vorgehensweise bei der Rekonstruktion mit Implantaten nach einer Brustkrebserkrankung oder einer prophylaktische Mastektomie?

Bei einer prophylaktischen Mastektomie arbeitet man hautsparend und die Brustwarzen können erhalten werden. Daher ist es möglich sofort – zum Beispiel mit Implantaten – zu rekonstruieren, da genügend Hautmantel vorhanden ist, um ihn zu füllen. Darüber hinaus sind in der Regel keine Nachbehandlungen, wie eine Strahlen- oder Chemotherapie, notwendig. Damit können spezifische Komplikationen wie Wundheilungsstörungen, Vernarbungen des Unterhautgewebes oder Veränderungen der Haut vermieden werden.

Bei der Rekonstruktion nach einer Brustkrebserkrankung kann es sein, dass – je nach Krebsart, Lokalisation und Verlauf der Krankheit – mit dem Tumor zusammen sehr viel Brustdrüse und Haut entfernt werden musste. In diesen Fällen kann die Brusthaut mit einem sogenannten Expander langsam vorgedehnt werden, bevor später ein Implantat eingesetzt wird.

 

 5. Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Wiederaufbau? Welchen Einfluss hat eine Bestrahlung?

Nach einer Brustkrebsoperation muss zunächst festgelegt werden, ob weitere onkologischen Behandlungen, wie Bestrahlung oder Chemotherapie, erforderlich sind. Nach Abschluss dieser sog. adjuvanten Therapie und einer eingehenden körperlichen Untersuchung kann dann eine Rekonstruktion geplant werden, allerdings mit einem zeitlichen Abstand zur Strahlentherapie. Denn, wird eine Bestrahlung mit einliegendem Implantat durchgeführt, steigt das Risiko einer Kapselfibrose erheblich an und die Strahlentherapie ist in der Planung erschwert. Wird eine mit Eigengewebe rekonstruierte Brust bestrahlt, kann diese in ihrer Hautfarbe und weichen Konsistenz beeinträchtigt werden.

 

6. Von welchen Kriterien hängt die Entscheidung für eine bestimmte Technik ab?

Diese Entscheidung ist immer individuell und im Rahmen einer ausführlichen Beratung zu treffen. Sie ist abhängig von den Wünschen und Bedenken sowie von den körperlichen bzw. medizinischen Voraussetzungen der Patientin. Auch die persönlichen Anforderungen im Alltag und Hobbies fließen in die Erwägung ein. So führe ich zum Beispiel bei sehr sportlichen Patientinnen, deren Rückenmuskulatur stark beansprucht wird, eher keine kombinierte Rekonstruktion mit einem Implantat und dem Latissimus-Muskel durch.

Die verschiedenen Operationstechniken und die Vielfalt der unterschiedlichen Implantatformen haben sich mittlerweile so entwickelt, dass jeder Frau ein geeignetes Verfahren zur Wiederherstellung angeboten werden kann.

 

7. Welche Rolle spielt die Implantatauswahl? Welche Unterschiede gibt es, und wie gehen Sie bei der Auswahl vor?

Sie spielt eine große Rolle, da das Implantat die Brustform und damit das optische Erscheinungsbild definiert. Grundsätzlich gibt es runde und tropfenförmige, d.h. anatomisch geformte, Implantate in verschiedenen Größen, Höhen und Breiten. Die Wahl ist immer individuell zu treffen und hängt vom Körperbau, der Form der anderen Brust und den Wünschen der Patientin ab. Darüber hinaus ist die Qualität des Implantats ein ausschlaggebender Faktor. Aus diesem Grund arbeite ich ausschließlich mit deutschen Implantaten, bei denen eine lückenlose Qualitätskontrolle garantiert ist und die in über 1.000 verschiedenen Ausführungen angeboten werden. So kann ich meinen Patientinnen immer eine individuell passende Lösung anbieten.

 

8. Welche Risiken bringt die Rekonstruktion mit einem Implantat mit sich, und wie lassen diese sich vermeiden oder verringern?

Mögliche Komplikationen nach dem Einsatz eines Implantats sind eine Infektion, die Ausbildung einer Kapselfibrose oder das Verdrehen (Rotation) bzw. Verschieben (Dislokation) des Implantats. Mit hochwertigen Implantaten, die eine texturierte (aufgeraute) oder mit Microthane (Mikropolyurethanschaum) beschichtete Oberfläche haben und einer sorgfältig durchgeführten Operation, lassen sich die genannten Risiken aber reduzieren.

 

9. Können Silikonimplantate auslaufen? Wie lange halten sie?

Moderne Implantate sind mit einem hoch vernetzten, nicht flüssigen, für die Langzeitimplantation zugelassenen Silikongel befüllt und können daher nicht einfach auslaufen. Sie halten darüber hinaus durch ihre stabile Hülle großen mechanischen Belastungen statt. Über Jahre unauffällig einliegende Implantate der neueren Generation müssen in der Regel nicht ausgewechselt werden. Dies sollte in regelmäßigen Ultraschalluntersuchungen von einem erfahrenen Arzt überprüft werden. Junge Patientinnen sollten aber davon ausgehen, dass im Laufe ihres Lebens eine operative Korrektur bzw. ein Implantatwechsel notwendig wird.

 

10. Ist eine Brustkrebs-Vorsorge bzw. -Nachsorge auch mit Implantat möglich?

Ja, auf jeden Fall. Eine regelmäßige und gründliche Krebsvorsorge ist bei vorbelasteten Patientinnen sehr wichtig. Ultraschalluntersuchungen können zum Beispiel problemlos durchgeführt werden. Bestimmte Mammographie-Einstellungstechniken, ggf. ergänzt durch ein MRT, ermöglichen eine sichere Brustkrebsfrüherkennung – auch für Frauen mit Brustimplantaten.

 

Dr. Fabian WolfrumDr. med. Fabian Wolfrum
Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie
Facharzt für Allgemeine Chirurgie

Praxis für Plastische und Ästhetische Chirurgie Dr. Wolfrum & Partner in Bremen
Kooperationspartner des zertifizierten Brustzentrums Krankenhaus St. Joseph-Stift Bremen und des Agaplesion Diakonieklinikums Hamburg

Schwerpunkte:

  • Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie der Brust
  • Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie sowie minimal-invasive Behandlung des Gesichtes
  • Körperformung

 

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Eine Brustrekonstruktion kann das Wohlbefinden einer von Brustkrebs betroffenen Frau positiv beeinflussen und damit auch ihre körperliche Situation. Die Entscheidung für oder gegen eine Brustrekonstruktion können Betroffene in Absprache mit Ihrem Arzt klären. Dieser sollte die unterschiedlichen Verfahren sowie deren jeweilige Vorteile und Nachteile allgemein und speziell für seine Patientin ausführlich erläutern – denn nicht für jede Frau sind alle Arten der Wiederherstellung geeignet.

Ein Wiederaufbau kann in manchen Fällen direkt im Anschluss an die Brustoperation, in anderen nach Abschluss der Chemo- oder Strahlentherapie erfolgen. Doch auch Jahre nach der Brustkrebserkrankung ist ein Brustaufbau noch möglich. Wie sich eine Frau entscheidet, liegt letztlich bei ihr.

Methoden Brustrekonstruktion

Bei einer Brustrekonstruktion wird unterschieden zwischen einem Aufbau mittels körpereigenem Gewebe (Eigengewebskonstruktion) und einem mittels Fremdmaterialien (Prothesenrekonstruktion), des Weiteren zwischen einer Primär- und einer Sekundärrekonstruktion.

Wird eine Brustrekonstruktion direkt im Anschluss an die Tumorentfernung durchgeführt, so spricht man von einer Primärrekonstruktion. Bei einer Sekundärrekonstruktion findet der Brustaufbau zu einem späteren Zeitpunkt statt.

Bei einer Brustrekonstruktion mit Eigengewebe wird Gewebe aus Unterbauch, Rücken, Gesäß oder Oberschenkelinnenseiten in die Brustregion verpflanzt. Soll ein Implantat eingesetzt werden, wird vorab oft ein sog. Expander eingelegt, der die Haut dehnt und Raum für das Implantat schafft. Ist genügend Gewebe aufgebaut, kann das gewünschte Implantat eingelegt werden.

Noch besteht die Therapie von Brustkrebs in erster Linie aus einer Operation. In den letzten Jahren ist es aber Ziel der Operation geworden, die Brust weitgehend zu erhalten. Doch nicht immer ist dies möglich, sodass in einigen Fällen die gesamte Brust entfernt werden muss. Für eine Brustrekonstruktion (Wiederaufbau der Brust) stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, die Sie auf diesen Seiten in Umrissen erläutert finden.

Unser äußeres Erscheinungsbild kann Einfluss auf unsere Psyche und unser Lebensgefühl haben. So möchten viele von Brustkrebs betroffene Frauen sofort oder zu einem späteren Zeitpunkt eine Brustrekonstruktion vornehmen lassen. Das Thema Brustaufbau sollte deshalb von vornherein Teil der Therapie sein. Für die Wiederherstellung der Brust stehen mehrere Methoden zur Verfügung, deren Vor- und Nachteile nach der jeweiligen Ausgangslage der Betroffenen bewertet werden sollten.